Was ist Methylenblau?
Methylenblau ist ein alter blauer Farbstoff, der als Arzneimittel das Gegengift bei Methämoglobinämie ist (Blut kann dann wieder Sauerstoff transportieren). Es greift in die mitochondriale Elektronentransportkette ein und hemmt das Enzym MAO-A – darauf beruht der Hype als „Mito-Booster“ und Nootropikum.
Wie gut ist Methylenblau untersucht?
Für die akute Methämoglobinämie ist die Wirkung gut belegt und zugelassen. Für kognitive Leistungssteigerung, Anti-Aging oder „Mitochondrien-Support“ gibt es nur kleine, vorläufige Studien; ein Nutzen für Gesunde ist nicht belegt.
Welche Nebenwirkungen und Risiken hat Methylenblau?
Zusammen mit serotonergen Mitteln (SSRI, SNRI, MAO-Hemmer) und Opioiden kann ein schweres, auch tödliches Serotonin-Syndrom auftreten (Warnhinweis in der US-Fachinfo). Bei G6PD-Mangel droht Hämolyse; weitere Risiken sind Allergien bis zur Anaphylaxie, Kopfschmerz, Übelkeit, Verwirrtheit und Sehstörungen. Blau-grüner Urin ist harmlos, verfälscht aber Pulsoximetrie-Werte.
Ist Methylenblau in Deutschland zugelassen?
Kurz: ja. In der EU seit 2011 als Methylthioninium chloride Proveblue zur intravenösen Behandlung der Methämoglobinämie zugelassen und verschreibungspflichtig. Als „Nootropikum“ verkaufte Farbstoff- oder Aquaristik-Qualitäten sind keine Arzneimittel und können Verunreinigungen (z. B. Schwermetalle) enthalten. Eigenanwendung ist wegen der Wechselwirkungen gefährlich.
Quellen
- EMA: Methylthioninium chloride Proveblue – EPAR
- FDA Prescribing Information PROVAYBLUE (methylene blue), 2024
Hinweis: Hier stehen bewusst keine Dosierungen. Bei zugelassenen Mitteln legt die Ärztin oder der Arzt die Dosis fest; für nicht zugelassene Stoffe gibt es keine gesicherten Angaben.